Anmerkungen zur Impfpflicht – 2020/3

DIGNITAS PERSONAE

Autor/-in: Armin Bender


Veröffentlicht: 25. Februar 2020 unter https://www.patriana.org/themen/thema-2020-003.html

Eine Anmerkung zur gegenwärtigen Rolle des Heiligen Stuhls als ethische und moralische Superinstanz in Fragen der Bioethik und Menschenwürde.

Es kann gar nicht oft genug und mit Nachdruck darauf aufmerksam gemacht werden, dass ist die Päpstliche Akademie für das Leben (Pontificia Academia pro Vita – PAV), als einflussreiche internationale und moralische Instanz zu Fragen der Bioethik, nicht unmaßgeblich an den weltweiten, seit dem Jahre 2017 von diversen Nationalstaaten erlassenen, Verfassungsrechtlich nicht gerechtfertigten, nicht überzeugenden und nicht zumutbaren Einschränkungen der a) menschlichen Autonomie, b) des Rechts auf körperlichen Unversehrtheit und c) der selbstbestimmten, unbeeinflussten und nicht erzwungenen medizinischen Einwilligung, insbesondere der persönlichen Impfentscheidung aktiv mitgewirkt hat.

Die Päpstliche Akademie für das Leben, unter der Führung von Papst Franziskus (Jorge Mario Bergoglio SJ) – Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche sowie Souverän des Vatikanstaats – hat die 2008 von der Kongregation für die Glaubenslehre verfasste Verlautbarung "DIGNITAS PERSONAE"1, 2 mit einer im Jahr 2017, nach Einführung der staatlichen Impfpflicht in Italien erschienenen, vergleichsweise trivialen Klarstellung relativiert (s. Pontifical Academy for Life: Clarifications on the medical and scientific nature of vaccination3) und damit die daraufhin weltweit aufkeimenden, staatlich erlassenen oder verschärften Zwangsgesetze (u.a. die Abschaffung der Impffreistellung aus weltanschaulichen und religiösen Gründen) zur Impfung von Kindern mit Lebendimpfstoffen zumindest befördert, vermutlich sogar überhaupt erst ermöglicht und moralisch legitimiert.

Im Zuge der unter dem Pontifikat von Papst Franziskus erfolgten Kurienreform und der umfassenden Neu- und Umorganisation der Päpstlichen Akademie für das Leben im Jahre 2016-174, 5 revidiert die PAV im Jahre 2017 insbes. die Punkte 34 und 35 – Die Verwendung von menschlichem "biologischem Material" unerlaubten Ursprungs – der Instruktion DIGNITAS PERSONAE vom 8. September 2008. Wortgetreu ist in dem am 31. Juli 2017 von der Päpstliche Akademie für das Leben veröffentlichten Dokument (Clarifications on the medical and scientific nature of vaccination) zu lesen:
"Insbesondere angesichts der Tatsache, dass die derzeit verwendeten Zelllinien sehr weit von den ursprünglichen Abtreibungen entfernt sind impliziert keinen moralischen Zusammenhang der Verantwortlichkeit der für eine ethisch negative Bewertung ihrer Verwendung unabdingbar ist.
Andererseits ist die moralische Verpflichtung, die für die Sicherheit anderer erforderliche Impfrate zu gewährleisten, nicht weniger dringlich, insbesondere die Sicherheit gefährdeter Personen wie schwangere Frauen und der von Immunschwäche betroffene Personen, die nicht gegen diese Krankheiten geimpft werden können."

Die bis dato geltenden ethischen und moralische Bedenken über die Anwendung von Impfstoffen – deren Krankheitserreger auf Zellmaterialien wie z.B. den Lungenfibroblasten abgetriebener Föten etc. gezüchtet werden – wurden mit dem 2017 erschienen Positionspapier relativiert (die Herstellung, Verbreitung und Anwendung von auf menschlichen fetalen Zelllinien gezüchteten Krankheitserregern galt als direkte bzw. indirekte Mitwirkung am Bösen. Den Gläubigen wurde nahegelegt mit Nachdruck darauf hinzuwirken derartiges Material in Impfstoffen nicht mehr zur Anwendung kommen zu lassen.). Durch den Paradigmenwechsel der die Prophezeiungen interpretierenden sakralen Instanz, wurde den Herstellern von Impfstoffen quasi eine ethische und moralische Absolution, ein Freifahrschein für die Rechtfertigung zu Herstellung und Vertrieb von Impfstoffen auf Grundlage menschlicher fetaler Zelllinien erteilt, die somit auch durch die daraufhin verstärkt profanen Aktivitäten der Nationalstaaten und deren Unterstützung durch die Global Health Security Agenda (GHSA) maßgeblich zur aktuellen Situation in der wir uns gegenwärtig befinden beigetragen hat.6-10

Die Ehrfurcht und der Respekt vor dem menschlichen Leben, der Schöpfung und der Menschenwürde sind wesentliche katholische Prinzipien und Werte, von denen sich die Päpstliche Akademie für das Leben in bioethischen Fragen leiten lassen und nicht distanzieren sollte. Inspiriert durch den katholischen Glauben, in Übereinstimmung mit der kirchlichen Mission, sollte die Priorität in der Übereinkunft bzw. Vereinbarkeit bioethischer Dimensionen mit den weltweit anerkannten Grundsätzen der Menschenrechte – zu denen vor allem auch eine selbstbestimmte medizinischen Einwilligung gehört – begründet und zu finden sein.

Der Heilige Stuhl sollte sich besinnen und dazu berufen fühlen, sich eindeutig a) gegen die Verwendung abgetriebener menschlicher Föten, die zur Aufzucht von Krankheitsviren (z.B. Röteln) in Impfstoffen verwendet werden, b) gegen jegliche staatliche Unterdrückung die zur Zwangsduldung von DNA-Impfstoffen führt und c) gegen allgemein staatlich verordnete medizinische Zwangsmaßnahmen, die vor allem Kinder betreffen, zu positionieren und sein weitreichendes, weltweites moralisches Gewicht in den Zivilorganisationen dahingehend geltend machen, solch unethischen und unmoralischen Materialien nicht länger und auch in Zukunft nicht, unter staatlicher Ermächtigung und Erzwingung, vor allem in Kinder einzubringen.

Als ein ermutigendes Zeichen zu werten wäre, wenn Kirche und Kirchenorden gemeinsam, im Einklang mit dem katholischen Glauben, die Allgemeine Erklärung über Bioethik und Menschenrechte der UNESCO vom 19.10.2005 sowie die darin in Art. 6.1 unzweideutig formulierten "individuellen und informierten Einwilligung als Voraussetzung für medizinische Eingriffe jedweder Art", in einem gemeinsamen Positionspapier, im Sinne des unbedingt anzuerkennenden natürlichen Menschengrundrechts der freien medizinischen Einwilligung, nachdrücklich bekräftigen würden.11 Denn, mit Blick in die Zukunft gilt zu bedenken, dass die breit angelegten, durch die Immunprophylaxe erzeugten genetischen Manipulationen und Eingriffe in das menschliche Erbgut, zu unkalkulierbaren und nicht vorhersehbaren Folgen führen können.


Literatur:

  1. Verlautbarungen des Apostolischen Stuhls Nr. 183, Kongregation für die Glaubenslehre, Instruktion DIGNITAS PERSONAE über einige Fragen der Bioethik (8. September 2008)
  2. PÄPSTLICHE AKADEMIE FÜR DAS LEBEN, Moralische Überlegungen zu Impfstoffen, für deren Produktion Zellen von abgetriebenen Föten verwendet werden
    Schriftenreihe der Aktion Leben e.V. (Nr. 27, Abtsteinach/Odw. 1. Auflage 2007)
  3. Pontifical Academy for Life, Note on Italian vaccine issue (Rome, 31 July 2017)
  4. Radio Vatikan – Die Stimme des Papstes und der Weltkirche: Päpstliche Akademie fürs Leben stellt sich neu auf (5. November 2016)
  5. Ulrich Rhode – Wie Papst Franziskus Die Kurie Reformiert: Der Kardinalsrat und die schrittweise Umsetzung (25. Juli 2016)
  6. The oversecuritization of global health: changing the terms of debate (International Affairs, Volume 95, Issue 5, September 2019)
  7. Examining National Public Health Law to Realize the Global Health Security Agenda (Medical Law Review, Volume 25, Issue 2, Spring 2017)
  8. U.S. DEPT OF DEFENSE, DOD Joins National Global Health Security Effort (May 9, 2019)
  9. Global Health Security—An Unfinished Journey (Emerg Infect Dis. 2017 Dec; 23 (Suppl 1))
  10. The Global Health Security Agenda in an Age of Biosecurity (Georgetown Law Faculty Publications and Other Works, 2014)
  11. UNESCO – Allgemeine Erklärung über Bioethik und Menschenrechte (s. Art. 6.1)

Allgemeine Weiterführende Informationen, Hintergrundinformationen (Aktualisiert: 7. Juli 2020):

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