Anmerkungen zur Impfpflicht – 2020/1

APROPOS IMPFPFLICHT

Autor/-in: Armin Bender


Veröffentlicht: 29. November 2019 unter https://www.patriana.org/themen/thema-2020-001.html

Zu den Aussagen des Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, auf der 127. Sitzung des Bundestags vom Donnerstag den 14. November 2019.

Das Niveau der 127. Sitzung des Bundestags vom Donnerstag den 14. November 2019, Top 10 Stärkung der Impfprävention (s. Stenografischer Bericht der 127. Sitzung Berlin (Plenarprotokoll 19/127)) lässt sehr zu wünschen übrig und deutet auf Anzeichen fortschreitender Orientierungslosigkeit in Regierungskreisen hin. Das in dieser Sitzung – von sich für informiert haltenden Politikern – eingebrachte Halbwissen zu Impfthemen ist bedenklich. Einige Reden sind diffamierend und nahe an der Grenze zur Agitation. Im Verlauf seiner Rede verharmlost Bundesgesundheitsminister Spahn die Nebenwirkungen von Kombinationsimpfstoffen und verhöhnt damit die Opfer von Impfschäden.

Wörtlich behauptet er (Plenarprotokoll 19/127, S. 67):
"Ich denke auch an die Debatte zu den Dreifach- und Vierfachimpfstoffen, die übrigens nicht mehr, sondern tendenziell weniger Nebenwirkungen haben als der Einfachwirkstoff."

Diese Aussage ist irreführend und widerlegbar. Personen die mit Kombinationsimpfstoffen in Berührung kommen (z.B. Infanrix Hexa (GSK) oder MMR VAXPRO von MSD) haben ein deutlich höheres Risiko, unerwünschten Impfkomplikationen zu erliegen als jene die mit Einzelimpfstoffen geimpft werden (z.B. Masern Impfstoff Merieux). Eine 2014 durchgeführte Studie beispielsweise belegt, dass das Risiko von Fieberkrämpfen nach der MMRV-Impfung doppelt so hoch ist wie nach der MMR-Impfung (s. Risk of febrile seizures after first dose of measles–mumps–rubella–varicella vaccine: a population-based cohort study: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4119141).
Um Fieberkrämpfe richtig einschätzen zu können, muss man wissen, dass die durch eine MMR(V)-Impfung hervorgerufenen Fieberkrämpfe bis zu 5-Mal stärker sein können als dies bei einer natürlichen Maserninfektion der Fall ist und dies zu langfristigen Auswirkungen der Impfung wie z.B. einer Fehlentwicklung des Hörzentrums, Sprachverzögerungen Epilepsie und epilepsiebedingter Intelligenzminderung führen kann.1-7 Fieberkrämpfe sind nur eine von 63 aufgeführten Risiken und Nebenwirkungen des MMR(V)-Impfstoffs, sie werden als ein milder unerwünschter Nebeneffekt bezeichnet? Nun, zumindest gibt Spahn in seiner Märchenstunde zu, dass Impfstoffe Nebenwirkungen entfalten (s. "tendenziell weniger Nebenwirkungen").
In Großbritannien werden varizellenhaltige Impfstoffe nicht empfohlen. Alle Eltern, die sich mit Überlegungen tragen, ihre Kinder gegen die Masern impfen zu lassen, sollten sich über die unabsehbaren Risiken insbesondere der MMRV-Impfung im Klaren sein. Zu der Einschätzung der Windpocken in Großbritannien siehe die Stellungnahme des Britischen National Health Service (NHS): https://www.nhs.uk/common-health-questions/childrens-health/why-are-children-in-the-uk-not-vaccinated-against-chickenpox.
Japan hat die MMR-Impfung auf Grund der hohen Rate an unerwünschten Nebenwirkungen (1/900 Kindern) vollständig eingestellt und von einer Impfpflicht für Kinder Abstand genommen, Gründe dafür: https://www.vaccineconfidence.org/latest-news/japan-why-japan-banned-mmr-vaccine. Können wir von Großbritannien und Japan etwas lernen?

Im Verlauf mehrerer Reden lässt Spahn verlautbaren, dass die MMR Impfung höchst sicher und höchst erprobt sei. Sicher in welcher Hinsicht? Und was meint erprobt? Zuallererst einmal sollte man den Begriff Schutzwirkung selbst hinterfragen, Schutz und Wirkung sind diese wirklich gegeben? Meint „sicher“ den Schutz, die Wirksamkeit oder die daraus resultierende Illusion des Impflings, welcher mglw. glaubt nach einer Masernimpfung vor Ansteckung geschützt zu sein? Die Masernimpfung soll nach den Aussagen Spahn's, des BMG und des PEI (wenigstens nach der Zweitimpfung) einen lebenslangen Schutz vermitteln. Ist diese Aussage falsch oder wahr? Fakt ist: man weiß es nicht. Bei ca. 25% der Geimpften wurden bereits 10 Jahre nach der Impfung keine ausreichend hohen Titer mehr im Blut nachgewiesen (s. Plotkin et al, Waning Immunity and Microbial Vaccines — Workshop of the National Institute of Allergy and Infectious Diseases – https://cvi.asm.org/content/24/7/e00034-17). Zur Wirksamkeit der Masern, Mumps und Röteln-Komponenten der MMR-Impfung gibt es weitere wissenschaftliche Studien, die das Postulat einer stabilen, kalkulier- und vorhersehbaren und linearen Wirkung der Impfung vollständig und eindeutig widerlegen.8-12

Wird in der spahnschen Rede mit "sicher" hingegen die Arzneimittelsicherheit, die Sicherheit davor, dass nur wenige und sehr geringfügige Impfkomplikationen und Nebenwirkungen auftreten angesprochen, ist die Aussage zumindest irreführend, denn es gibt kaum eine andere Kinderimpfung, die in den letzten Jahren / Jahrzehnten ähnlich häufige und schwere Komplikationen für sich verbuchen konnte und kann wie die masern-, mumps- und rötelhaltige Kombinationsimpfung (s. Measles, Mumps, Rubella (MMR) Vaccine "Safe and Effective"? – https://ahrp.org/measles-mumps-rubella-mmr-vaccine-safe-and-effective). Die M-M-R- und M-M-R-V-Impfungen wurden von der EMA im Jahre 2006 zugelassen. Breit angelegte Verträglichkeitsstudien über unerwünschte Nebeneffekte oder Langzeitschädigungen durch die Impfungen (z. B. über chronische Krankheiten, Allergien etc.) und sonstige Untersuchungen existieren bislang überhaupt nicht. Hingegen steht die Impfung mit zahlreichen Impfschadens- und Todesverdachtsfällen in Verbindung und es ist zu vermuten, dass die nicht erfasste Zahl sehr viel höher liegt.

In der Datenbank des Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel (PEI) mit Verdachtsfällen von Impfkomplikationen und unerwünschten Nebenwirkungen (s. https://www.pei.de/db-uaw) wurden im Zeitraum von 01.01.2000 - 31.10.2019 exakt 46.978 Verdachtsfälle (Komplikationen der Impfung) erfasst (davon entfallen knapp Zwanzigtausend (19.998) Fälle mit 221 Todesfällen auf Kinder). Das PEI weist darauf hin, dass die dargestellten Informationen nicht notwendigerweise bedeuten, dass ein Kausalzusammenhang mit der Impfung bzw. der Arzneimitteltherapie existiert und das Rückschlüsse auf die Häufigkeit und Schwere, sowie einer möglichen bleibenden gesundheitlichen Beeinträchtigung auf Grund der berichteten Ereignisse mit den dargestellten Datenbankinformationen nicht getroffen werden können (s. Erläuterungen zur UAW-Datenbank: https://www.pei.de/SharedDocs/Downloads/DE/arzneimittelsicherheit/uaw-datenbank-erlaeuterungen.pdf?__blob=publicationFile&v=4).

Die gebetsmühlenartig wiederholte Aussage der Politik stellt Kinderimpfungen gerne – unter Verweise auf die hinreichend gefestigte wissenschaftliche Hypothese und den gesicherten empirischen Erkenntnisstand im Gegenstandsbereich der Immunprophylaxe – pauschal als wirksam, sicher und unbedenklich dar. Sie nimmt damit eine unzulässige und unwissenschaftliche Wertung und Verallgemeinerung vor die offensichtlich darauf abzielt, Debatten zu unterbinden und jedes sachliche Gegenargument zu disqualifizieren. Um die selektive Wahrnehmung von empirischen Fakten und darauf gründende Fehlschlüsse zu reduzieren, ist gerade im Bereich der Vakzinenfolgenforschung wichtig, dass die vielfältigen Auswirkungen von Lebendimpfstoffen regelmäßig und mehrfach von unabhängiger Seite, in reproduzierbarer Weise, überprüft und nachvollzogen werden (z.B. durch Wissenschaftler die der Hypothese ggf. kritisch, skeptisch oder ablehnend gegenüberstehen) und nicht nur von den Instanzen, welche die Hypothese(n) aufgestellt haben.

Es gibt Einschätzungen die davon ausgehen, dass lediglich 1-5% der Impfkomplikationen überhaupt gemeldet bzw. erfasst werden, meist sind dies kurz nach der Impfung auftretende unerwünschte Nebeneffekte, die unmittelbar mit der Impfung in Zusammenhang gebracht werden können. Langzeitkomplikationen, für die sich ein kausaler Zusammenhang nicht oder nur schwer nachweisen lässt, sind in dieser Zahl nicht erfasst. Dieser ursächliche Zusammenhang, der bei der Anerkennung von Impfschadensverdachtsfällen eine Rolle spielt und erbracht werden muss, spielt bei der Erhebung von Masernfallzahlen scheinbar keine Rolle, d.h. die Ursachen, z.B. einer Maserninfektion (z.B. die Impfung selbst), werden bei der Erhebung von Masernzahlen nicht berücksichtigt und erfasst.

Sehr geehrter Herr Spahn: für denjenigen der gesetzlich gezwungen wird, sich gegen seinen Willen zur Impfung nötigen zu lassen, gibt es keinerlei Garantie irgendeinen adäquaten Ersatz für die etwaige bleibende Behinderungen oder gar den Todesfall erlangen zu können!

Literatur:

  1. The risk of subsequent epilepsy in children with febrile seizure after 5 years of age (Seizure, European Journal of Epilepsy, December 2017, Volume 53, p62–65)
  2. Febrile Seizures and Epilepsy: Association With Autism and Other Neurodevelopmental Disorders in the Child and Adolescent Twin Study in Sweden (Pediatric Neurology, September 2017, Volume 74, p80–86.e2)
  3. Evaluation of Long-term Risk of Epilepsy, Psychiatric Disorders, and Mortality Among Children With Recurrent Febrile Seizures: A National Cohort Study in Denmark (JAMA Pediatr., 2019;173(12):1164-1170)
  4. Childhood seizures and risk of psychiatric disorders in adolescence and early adulthood: A Danish nationwide cohort study (The Lancet, Child & Adolescent Health, Vol 3, ISSUE 2, p99-108, February 01, 2019)
  5. Association of developing childhood epilepsy subsequent to febrile seizure: A population-based cohort study (Brain & Development, Vol 40, ISSUE 9, p775-780, October 01, 2018)
  6. Early Seizures Prematurely Unsilence Auditory Synapses to Disrupt Thalamocortical Critical Period Plasticity (Cell Reports, Vol 23, ISSUE 9, p2533-2540, May 29, 2018)
  7. An Investigation of the Association Between MMR Vaccination and Autism in Denmark (Journal of American Physicians and Surgeons, Volume 9, Number 3, Fall 2004)
  8. Mutations in the H, F, or M Proteins Can Facilitate Resistance of Measles Virus to Neutralizing Human Anti-MV Sera (Adv Virol., 2014: 205617)
  9. Spontaneous Mutation Rate of Measles Virus: Direct Estimation Based on Mutations Conferring Monoclonal Antibody Resistance (J Virol., 1999 Jan;73(1):51-4)
  10. Clinical Characteristics of Measles in Previously Vaccinated and Unvaccinated Patients in California (Clin Infect Dis., 2018 Oct 15;67(9):p1315-1319)
  11. Laboratory Characterization of Measles Virus Infection in Previously Vaccinated and Unvaccinated Individuals (J Infect Dis., 2011 Jul;204 Suppl 1:p549-58)
  12. Primary vaccine failure to routine vaccines: Why and what to do? (Hum Vaccin Immunother., 2016;12(1):p239-43)

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